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Strategie für Herisau gesucht

Zweifelsfrei: Herisau hat eine Zukunft. Doch welche? Darüber ist am Montagabend im Casino Herisau unter der Leitung von Herisaus FDP-Präsident Markus Brönnimann debattiert worden. Nun braucht's einen Strategieentscheid.

Herisau hat touristisches Potenzial. Dessen Vermarktung hingegen sei eine touristische Katastrophe. Zu diesem Fazit liess sich am Montagabend die HSG-Studentin Kathrin Rechsteiner während eines Podiums im Casino Herisau verleiten – ein Podium, das auf der Basis einer von HSG-Studierenden durchgeführten Analyse zur touristischen Situation von Herisau stattfand. Auf der Bühne diskutierten nebst Rechsteiner auch Robert Weinert, Dozent an der Universität St.

Verbesserungspotenzial
In einem Punkt schienen sich alle einig: Herisau hat Verbesserungspotenzial. Artikuliert haben sie dies hingegen ganz unterschiedlich. Marlies Nef monierte, es sei nicht einfach, in Herisau etwas in Bewegung zu bringen. Dölf Alpigers Erfahrung zeigt, dass man wenig vom Dorf mitkriegt, wenn man sich nicht direkt darin aufhält. Und Peter Schmid hielt fest, keine Gründe zu finden, müsste er jemanden überzeugen, in Herisau Ferien zu machen. Das Gespräch unter der Leitung von Herisaus FDP-Präsident Markus Brönnimann nahm im Verlauf des Abends etliche Wendungen. Herisau als Arbeitsort und Herisaus Infrastruktur wurden dabei ebenso gestreift wie das Lädelisterben oder die Mentalität der Herisauer.

Aufruf zu einem Sichtwechsel

Der spannendste Ansatz, den Brönnimann auch in seinen Schlussworten wieder aufgriff, kam nicht von den Podiumsteilnehmenden selbst, sondern aus dem Plenum. Ein Votant rief zu einem Sichtwechsel auf. Demzufolge soll versucht werden, bei Herisaus Einwohnerinnen und Einwohnern das Gefühl für die Schönheiten ihres Dorfes zu stärken. Wenn sozusagen als «Nebenprodukt» dann auch noch Touristen nach Herisau reisten, könne man bestimmt darüber reden.

HSG-Dozent Robert Weinert nahm diesen Faden sofort auf. Es gäbe in der Tat verschiedene strategische Optionen. Möglichkeit 1: Den Tourismus als wirtschaftliches Standbein aufbauen. Dazu sind gemäss Weinert jedoch diverse Investitionen nötig. Möglichkeit 2: Das bestehende Angebot optimieren und versuchen, mittels besserer Kommunikation und Kombination der Leistungen dafür zu sorgen, dass diese für Einwohner wie Tagestouristen attraktiver würden. Peter Schmid, der dem neuen Ansatz Unterstützung bot, plädierte ferner dafür, ebenso die nähere Umgebung wie beispielsweise die Arena, die Stadt St. Gallen oder gar das naheliegende Grenzgebiet Österreich als Pluspunkte von Herisau zu betrachten und in eine mögliche Vermarktung mit einfliessen zu lassen.

Tor als Bild gefällt nicht
Weniger empfänglich zeigten sich die Debattierenden für den Vorschlag seitens der Studierenden, nach Herisau Reisende mit dem Slogan «Herisau – das Tor zum Appenzellerland» abzufangen. Ein Tor sei etwas, wo man hindurchfahre, sagte Marlies Nef. Peter Schmid, der ebenfalls Mühe mit dem Begriff bekundete, fokussierte sodann auf Herisaus Eigenart, dass niemand ins Zentrum komme, der nicht wolle. Man müsse den Weg bewusst wählen.

Mehrere Wortmeldungen provozierte die Ideensuche zur Belebung der Geschäfte. Eine Fussgängerzone fand bei Schmid keine Gnade: «Erst müssen wir die Leute nach Herisau kriegen, dann können wir die Autos verdrängen. » Alpiger plädierte für etwas «Verrücktes», beispielsweise einen Parkplatz ausserhalb des Dorfes, wo sich dann alle ein Velo schnappen könnten, um ins Zentrum zu radeln. Nef wies auf die teils zu tiefen Räume hin, weshalb grosse Ladenketten Herisau fernblieben.

Noch in eine andere Richtung lenkte ein Votant die Gedanken, der von «Bruchbuden» in Herisau sprach. Er empfehle eine Exkursion nach Wangen im Allgäu. Dies sei heute ein «Schmucktrückli», Touristen befruchteten das Gewerbe. Herisau bekam damit ein konkretes Ziel vor Augen gesetzt.


Roger fuchs

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